Verband Deutscher Präparatoren Berufsverband für Präparatorinnen & Präparatoren in Biologie, Medizin und Geowissenschaften

Berufsprofil

Die Präparation

Der Name leitet sich aus dem lateinischen praeparatio ab und bedeutet Vorbereitung. In diesem Sinne ist die Tätigkeit ein Herrichten von Materialien zur weiteren Verwendung.

Es ist schwer zu bestimmen, welches die ersten präparatorischen Tätigkeiten der Menschheit waren. Gilt bereits das Reinigen von natürlichen Gegenständen in der Steinzeit – belegt als Grabbeilagen – oder die Mumifizierungen der Ägypter als erste zu benennende Präparation?

Gegenstände der Natur zu dokumentieren und zu erhalten war und ist ein Bedürfnis der Kulturen. Neben dem Eindruck des Exponates wird oft vergessen, dass hinter der Herstellung ein individueller Bearbeiter steht – der Präparator.

Häufig wird die Präparation verwechselt mit der Restaurierung. Obwohl viele Arbeitstechniken die gleichen sind, besteht ein Unterschied in dem zu bearbeitenden Material. Restauratoren bearbeiten von Menschen hergestellte Gegenstände; Präparatoren bearbeiten Material aus der Natur.

Das Berufsbild

Allgemein bekannt sind die Präparate der Biologie. Tiere werden unter Verwendung der Haut naturgetreu nachgebildet. Für die medizinische Forschung werden anatomische Merkmale des menschlichen Körpers dargestellt. Im Bereich der Geowissenschaften werden u.a. Fossilien aus dem umgebenden Gestein freigelegt.

Auf eine so simple Formel kann das heutige Berufsbild des Präparators nicht reduziert werden. Mit zunehmender Kenntnis in der Wissenschaft und einem gesteigerten Anspruch an Qualität ergaben sich Spezialisierungen. Ausgehend von dem zu bearbeitenden Material begründen sich drei eigenständige Fachrichtungen:

Biologie Medizin Geowissenschaften

Da jeder Fachbereich noch weiter untergliedert ist, ergibt sich in der Praxis die Tätigkeit eines Präparators aus den Schwerpunkten seiner Arbeitsstätte. Die folgende Charakterisierung beschreibt daher nur allgemein die Tätigkeit der Präparatoren in den verschiedenen Fachbereichen.

Weitere Informationen zu den Fachbereichen:

Fachbereich Biologie

Von einem präparationstechnischen Assistenten in der Biologie werden Fähigkeiten und Kenntnisse speziell im zoologischen und botanischen Bereich verlangt. Er verarbeitet Tier- und Pflanzenmaterial zu Anschauungsobjekten, die zum einen als wissenschaftliches Sammlungsmaterial, als Ganzpräparate, Kopf- Schultermontagen oder als künstlerisch anspruchsvolle Dermoplastiken eine alte Tradition haben. Auch hat er pflanzliche Objekte für Herbarien oder für die Biotopgestaltung in Dioramen zu konservieren.

Weiterhin stellt er Situs- und Skelettpräparate her, fixiert und konserviert Organpräparate nach den verschiedensten Verfahren in Flüssigkeiten, gelartigen und festen Einschlussmedien, oder er verarbeitet sie zu Trockenpräparaten mittels mumifizierungsähnlicher Methoden oder durch Gefriertrocknung. Zu seinem Aufgabengebiet gehören auch entomologische Präparate (Insekten), Mollusken (Weichtiere) und Fische. Viele solcher Objekte sind auch als Modelle im vergrößerten Maßstab (Mimoplastiken) oder als Funktionsmodelle für Lehrzwecke aus Kunststoff oder anderen Werkstoffen herzustellen.

Die Herstellung von morphologisch exakten Ganzpräparaten und Dermoplastiken setzt ein ausgeprägtes Formgefühl, gutes Sehvermögen und tieranatomische Kenntnisse voraus. Aber auch die diffizilen, meist wissenschaftlich ausgerichteten Situs- und Organpräparate verlangen nicht nur die Beherrschung vielfältiger handwerklicher Fähigkeiten, sondern ein ebenso umfangreiches Wissen in Chemie, Kunststofftechnik, Farbenlehre, Ausstellungs- und Dokumentationstechnik.

Generell wird vom biologisch tätigen Präparator erwartet, dass er sich dem biologischen Objekt gegenüber verantwortlich verhält und es mit Sorgfalt und Zuverlässigkeit bearbeitet. Darüber hinaus soll er in der Lage sein, Präparate künstlerisch ansprechend zu gestalten.

Es ist davon auszugehen, dass der biologische Präparator seine berufliche Motivation vor allem aus einer tiefen Naturverbundenheit ableitet. Insofern sind bei ihm nicht nur besonders reiche Artenkenntnisse und das Wissen um ökologische Zusammenhänge zu erwarten, sondern auch eine aktive Mitwirkung in allen Naturschutzbestrebungen.

Fachbereich Medizin

Ein medizinischer Präparator ist in den drei Teilgebieten der Humanmedizin, der Anatomie, der Pathologie und in der Rechtsmedizin, anzutreffen. Hier wie da stellt er – wenn auch mit unterschiedlichen Zielsetzungen – Präparate für die wissenschaftliche Untersuchung, für Lehrzwecke und für die Dokumentation her.

In anatomischen Instituten obliegt dem Präparator die Versorgung der Verstorbenen, darunter versteht man die Konservierung, die fachgerechte Aufbewahrung und die Betreuung während der Präparierkurse, an denen er assistierend beteiligt ist. Das setzt genaue Kenntnisse der menschlichen Anatomie voraus.

Die Arbeit eines Präparators an einem pathologischen Institut unterscheidet sich in technischer Hinsicht kaum von der eines rechtsmedizinischen Instituts. In beiden Fächern assistiert der Präparator dem Arzt und ist überwiegend im Obduktionsbereich tätig, der die Untersuchung von Todesursachen umfasst. Nach der Obduktion obliegen ihm die gesamten Wiederherstellungsmaßnahmen des Leichnams, die mit peinlichster Sauberkeit und Sorgfalt durchzuführen sind. Neben den notwendigen Anatomiekenntnissen erfordert dies auch ein gutes Fachwissen in Pathologie und Rechtsmedizin.

Es versteht sich von selbst, dass der Präparator auch für den ordnungsgemäßen Zustand der Arbeitsräume, der Geräte- und Instrumentenausrüstung sowie für die Einhaltung weitreichender Hygieneregeln zuständig ist. Einfühlungsvermögen und Verantwortungsbewusstsein ist insbesondere beim Umgang mit Angehörigen nötig, ebenso bei der Zusammenarbeit mit Bestattungsinstituten. Hier sind auch Kenntnisse der allgemeinen Rechtsgrundlagen und des Bestattungsgesetzes erforderlich. In manchen Einzelfällen ist die Einbalsamierung des Leichnams notwendig, die der Präparator teilweise selbständig durchführen muss.

Verfügt das Institut über eine Lehr- und Dokumentationssammlung, so wird diese vom Präparator betreut und ergänzt. Hier fallen nicht nur schriftliche, grafische und fotografische Aufgaben an, sondern insbesondere auch die verschiedensten präparationstechnischen Verfahren, z. B. Herstellung von Feuchtpräparaten, Konservierungstechniken, Mazerationsverfahren zur Knochendarstellung, Injektions- und Korrosionstechnik zur Gefäß- und Hohlraumdarstellung, Imprägnierungsverfahren (Plastination, PEG-Methode, Parafinierung), Einguss- und Abformtechniken, spezielle Darstellungsmethoden wie z. B. Aufhellung und Färbung von Geweben.

Nicht selten werden auch histologische Techniken gefordert bis hin zur Mikroskopie und Mikrofotografie, ferner Injektions- und Korrosionstechnik zur Gefäß- und Hohlraumdarstellung.

Dem Präparator in der Medizin wird ein besonders hohes Maß an menschlicher Reife, Verantwortungsbewusstsein und Umsicht abverlangt. Das sollte bereits vor dem Eintritt in eine solche Ausbildung berücksichtigt werden.

Fachbereich Geowissenschaften

Der Geowissenschaftliche Präparator befasst sich mit naturhistorischem Material wie Versteinerungen (Fossilien), Gesteinen und Mineralien. Diese werden von ihm gesammelt, dokumentiert, zur wissenschaftlichen Bearbeitung vorbereitet und konserviert, um sie für Forschung und Lehre nutzbar zu machen und der Nachwelt zu erhalten.

Man unterscheidet drei Teilbereiche: Mineralogie, Geologie, und Paläontologie.

Im späteren Berufsleben erfolgt zwar meist eine Spezialisierung für einen Bereich, dennoch ist ein Basiswissen aller Bereiche notwendig, da sie eng miteinander verbunden sind und ständig ineinander greifen.

Der Beruf des geowissenschaftlichen Präparators ist im Wesentlichen ein technischer Beruf, der grundsätzlich ein umfassendes technisches Verständnis, handwerkliche und gestalterische Fähigkeiten und wissenschaftliche Kenntnisse erfordert, um gezielt bei der Arbeit vorgehen zu können. Dabei wird nicht nur das sachgerechte Bedienen von Handwerkzeugen, Maschinen und zum Teil hoch komplizierter Geräte verlangt, sondern auch die fachgerechte Verwendung der unterschiedlichsten Werkstoffe und Chemikalien.

Beschäftigung findet der Geowissenschaftliche Präparator z.B. in Instituten, Museen, der Industrie und der Privatwirtschaft. So vielfältig wie sie selbst sind auch die Arbeitsbereiche, die oft durch die Schwerpunkte des Arbeitsplatzes bestimmt werden.